WM 2026 Prognosen — Datenmodelle und Turniervorhersagen

Datenbasierte Prognosen für die Fussball-WM 2026 mit statistischen Modellen und Turniervorhersagen

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Seit über zehn Jahren baue ich Prognosemodelle für internationale Fussballturniere. Mein erstes Modell zur EURO 2016 war ein simples ELO-Ranking mit drei Variablen — und es hat Portugals Titelgewinn nicht einmal in den Top 5 geführt. Seitdem habe ich den Ansatz grundlegend überarbeitet, und die Trefferquote ist mit jedem Turnier gestiegen. Die WM 2026 stellt mein Modell vor die grösste Herausforderung: 48 Teams, zwölf Gruppen, ein neues K.o.-Format ab dem Sechzehntelfinal — und Datenlagen, die bei WM-Debütanten wie Curaçao oder Neuseeland deutlich dünner ausfallen als bei Brasilien oder Frankreich.

Was folgt, sind keine Bauchgefühl-Tipps. Es sind Ergebnisse aus einem Modell, das ELO-Ratings, Expected Goals (xG) der letzten 24 Monate, Formkurven, Head-to-Head-Daten und historische WM-Muster kombiniert. Ich lege meine WM 2026 Prognosen offen — mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit Gewissheiten.

Unsere Methodik — Wie wir prognostizieren

Ein Kollege fragte mich einmal, warum ich nicht einfach die FIFA-Weltrangliste als Prognose-Grundlage nehme. Die Antwort ist simpel: Die Weltrangliste belohnt Quantität (viele Spiele) stärker als Qualität (starke Gegner). Marokko steht auf Rang 8, vor den Niederlanden und Belgien — das spiegelt die afrikanische Qualifikation wider, in der Marokko selten auf Gegner aus den Top 20 trifft.

Mein Modell arbeitet mit fünf Kernindikatoren. Der wichtigste ist ein modifiziertes ELO-Rating, das Spielstärke nach Gegnerstärke gewichtet — ein 2:0 gegen Frankreich zählt mehr als ein 5:0 gegen Andorra. Dazu kommen xG-Daten der letzten zwei Jahre, die offensive und defensive Qualität unabhängig von Ergebnissen messen. Die Formkurve der letzten zehn Länderspiele fliesst ein, ebenso wie historische WM-Performance (Teams wie Deutschland oder Uruguay tendieren dazu, bei Turnieren stärker aufzutreten als in der Qualifikation). Der fünfte Faktor ist taktische Stabilität: Wie lange arbeitet der aktuelle Trainer mit dem Kader, und wie eingespielt ist das System?

Das Modell simuliert das Turnier 50’000 Mal und berechnet für jedes Team die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Runde zu erreichen. Die Ergebnisse sind Durchschnittswerte — keine einzelne Simulation ist „die richtige“, aber die Summe zeigt klare Trends.

Wichtig zu verstehen: Kein Modell berücksichtigt Verletzungen, Klima-Effekte (drei Länder, verschiedene Zeitzonen, Höhenlagen in Mexiko) oder taktische Überraschungen vollständig. Ich sehe das Modell als Startpunkt — die Interpretation bleibt Handarbeit.

Prognose: Turniersieger

19. Juli 2026, MetLife Stadium bei New York — wer hebt den Pokal? Mein Modell liefert eine klare Hierarchie, aber keinen klaren Einzelfavoriten. Die Wahrscheinlichkeiten verteilen sich breiter als bei der WM 2022, weil das erweiterte Format mit 48 Teams mehr Runden und mehr Varianz erzeugt.

TeamTitelwahrscheinlichkeitAktuelle QuoteBewertung
Spanien14.8 %5.50Faire Quote
England12.3 %6.50Leichter Value
Frankreich11.7 %8.50Value
Argentinien9.2 %9.00Fair
Brasilien8.1 %9.00Leicht überbewertet

Spanien steht in meinem Modell an der Spitze — nicht überraschend nach dem EM-Titel 2024, einer makellosen Qualifikation und einem Kader, der Tiefe auf jeder Position bietet. Lamine Yamal und Pedri prägen das Offensivspiel, Rodri stabilisiert das Mittelfeld, und Luis de la Fuente hat ein System etabliert, das Ballbesitz mit vertikaler Gefahr verbindet. Die Quotenbewertung „Fair“ bedeutet: Die 5.50 bilden die Modellwahrscheinlichkeit von 14.8 % korrekt ab — kein besonderer Value, aber auch keine Überbewertung.

Frankreich bei 8.50 ist der interessanteste Wert in der Tabelle. 11.7 % Titelwahrscheinlichkeit ergeben eine faire Quote von 8.55 — die angebotene 8.50 liegt also fast exakt auf dem Modellwert. Aber: Frankreich hat bei den letzten drei grossen Turnieren zweimal das Finale erreicht (2018, 2022) und einmal das Halbfinale (EURO 2024). Diese Konstanz auf höchstem Niveau spricht dafür, dass mein Modell Frankreichs Turnierqualität unterschätzt. Mbappé im besten Alter, dazu die Tiefe mit Tchouaméni, Dembélé und Olise — das ist ein Kader für sieben intensive Spiele.

England bei 6.50 bietet in meinem Modell den konsistentesten Value unter den Topfavoriten. Thomas Tuchels Einfluss zeigt sich in einer makellosen Qualifikation: acht Siege, null Gegentore. Der Kader ist der teuerste des Turniers (über 1.29 Milliarden Euro Marktwert), und die Mischung aus Erfahrung (Kane, Rice) und Jugend (Bellingham, Saka, Foden) deckt jede taktische Anforderung ab. Englands Problem war historisch die K.o.-Runde — aber unter Tuchel, der mit Chelsea die Champions League gewonnen hat, verfügt das Team erstmals über einen Trainer mit nachgewiesener Knockout-Kompetenz auf höchstem Niveau.

Argentinien bei 9.00 hängt an einer Frage: Wie viel Messi steckt noch in diesem Team? Der Titelverteidiger geht mit dem Weltmeister-Kader von 2022 ins Turnier, aber Messi wird im Juni 2026 fast 39 Jahre alt sein. Mein Modell bewertet Argentiniens Kadertiefe ausserhalb von Messi als solide, aber nicht überragend — und ein Turnier mit bis zu sieben Spielen fordert physisch mehr als die sechs Partien von 2022. Dennoch: Die Erfahrung eines Titelverteidigers ist ein Faktor, den Datenmodelle systematisch unterschätzen. Die aktuelle Quote bildet die Quotenstruktur korrekt ab — eine detaillierte Aufschlüsselung finden Sie in unserer WM 2026 Quoten-Analyse.

Brasilien bei 9.00 sehe ich kritischer. Die südamerikanische Qualifikation verlief holprig (Platz 5), Carlo Ancelottis Einfluss ist noch nicht in Turnierergebnisse übersetzt, und die xG-Daten der letzten Länderspiele zeigen defensive Schwächen, die gegen europäische Top-Teams bestraft werden. Brasilien ist traditionell überbewertet — der Name trägt mehr als die aktuelle Leistung.

Prognose: Halbfinalisten

Das Halbfinale der WM 2026 findet am 14. und 15. Juli statt. Mein Modell identifiziert acht Teams mit einer Halbfinal-Wahrscheinlichkeit von über 15 % — ein Zeichen dafür, wie offen dieses Turnier ist.

TeamHalbfinal-WahrscheinlichkeitGruppe
Spanien38.2 %H
England34.1 %L
Frankreich32.8 %I
Argentinien28.5 %J
Deutschland23.4 %E
Portugal21.7 %K
Niederlande18.9 %F
Brasilien17.6 %C

Was hier auffällt: Deutschland (23.4 %) rangiert vor Portugal und den Niederlanden, obwohl die Quoten auf den Turniersieg bei Deutschland (13.00) höher liegen als bei Portugal (12.00). Der Grund ist die Gruppenauslosung. Deutschland hat mit Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador die auf dem Papier leichteste Gruppe aller Topfavoriten. Ein souveräner Gruppensieg mit drei Siegen und hoher Tordifferenz ist realistisch — und das bedeutet ein günstiges Sechzehntelfinal-Los. Portugals Gruppe K mit Kolumbien ist deutlich anspruchsvoller.

Brasilien als Achter in dieser Liste bestätigt meine vorsichtige Einschätzung. Ein Halbfinaleinzug ist mit 17.6 % nicht unwahrscheinlich, aber Brasilien muss zunächst eine Gruppe mit Marokko (WM-Vierter 2022) überstehen — und in der K.o.-Runde wahrscheinlich auf ein europäisches Schwergewicht treffen.

WM 2026 Prognosen nach Gruppen

Zwölf Gruppen, 48 Teams, und die Frage, die mich seit der Auslosung im Dezember 2025 beschäftigt: Wo lauern die Überraschungen? Hier sind meine Prognosen für den Gruppenausgang — mit dem prognostizierten Ersten, Zweiten und dem wahrscheinlichsten Dritten.

GruppePrognose 1. PlatzPrognose 2. PlatzPotenzieller 3. Platz
AMexikoSüdkoreaTschechien
BSchweizKanadaBosnien und Herzegowina
CBrasilienMarokkoSchottland
DUSATürkeiParaguay
EDeutschlandEcuadorElfenbeinküste
FNiederlandeJapanSchweden
GBelgienÄgyptenIran
HSpanienUruguaySaudi-Arabien
IFrankreichNorwegenSenegal
JArgentinienÖsterreichAlgerien
KPortugalKolumbienUsbekistan
LEnglandKroatienGhana

Die Schweizer Gruppe B verdient besondere Aufmerksamkeit. Die Nati geht als Favorit ins Turnier — mein Modell sieht sie mit 42 % als wahrscheinlichsten Gruppensieger, Kanada folgt mit 31 %. Bosnien und Herzegowina, das Italien im Playoff-Finale im Elfmeterschiessen ausschaltete, hat Aussenseiter-Qualitäten, die nicht unterschätzt werden sollten. Katar bringt WM-Erfahrung aus 2022 mit, ist aber in einer anderen Gewichtsklasse. Ein realistisches Szenario: Die Schweiz gewinnt die Gruppe mit 7 Punkten, Kanada qualifiziert sich als Zweiter mit 5 Punkten, und Bosnien kämpft um einen der acht Plätze für die besten Gruppendritten.

Meine riskanteste Prognose betrifft Gruppe D: Die USA als Gruppensieger vor der Türkei. Paraguay und Australien sind stark genug, um Punkte zu stehlen, aber die Gastgeber-Energie in den US-Stadien — kombiniert mit einem Kader, der in den letzten zwei Jahren deutlich gereift ist — gibt den USA den Vorteil. Die Türkei als Zweiter ist ein bewusstes Statement: Unter Vincenzo Montella hat das Team eine defensive Kompaktheit entwickelt, die in Turnierfussball besser funktioniert als in langen Qualifikationsrunden.

In Gruppe H sehe ich eine der spannendsten Konstellationen des gesamten Turniers. Spanien ist klarer Favorit, aber Uruguay unter Marcelo Bielsa ist eine Turniermannschaft par excellence — Halbfinale 2010, Viertelfinale 2018, und eine südamerikanische Qualifikation, in der Uruguay trotz Umbruch auf Rang 3 landete. Ein möglicher zweiter Platz hinter Spanien würde Uruguay direkt in die K.o.-Runde führen, und von dort ist mit diesem Team alles denkbar. Saudi-Arabien bringt die Erfahrung des 2:1 gegen Argentinien bei der WM 2022 mit — ein Ergebnis, das zeigt, dass einzelne Gruppenspiele ihre eigene Dynamik entwickeln.

Gruppe L dürfte das meistbeachtete Duell der Gruppenphase liefern: England gegen Kroatien am ersten Spieltag, 17. Juni. Beide Teams sind klare Aufstiegskandidaten, aber der Gruppensieger sichert sich ein günstigeres Los im Sechzehntelfinal. Mein Modell sieht England mit 52 % als Gruppensieger vor Kroatien mit 33 % — eine Verteilung, die den Heimvorteil der Three Lions in US-Stadien berücksichtigt, wo die englischsprachige Diaspora für Atmosphäre sorgen wird.

Mögliche Überraschungen

Bei der WM 2022 schaltete Marokko Spanien und Portugal aus und stand im Halbfinale — ein Ergebnis, das kein einziges grosses Prognosemodell vorhergesagt hatte. Überraschungen sind der Grund, warum wir Fussball schauen. Hier sind vier Szenarien, die mein Modell als unwahrscheinlich, aber nicht unrealistisch einstuft.

Erstens: Japan gewinnt Gruppe F. Die „Samurai Blue“ haben bei der WM 2022 Deutschland und Spanien in der Gruppenphase geschlagen. Ihr pressing-intensiver Stil unter Hajime Moriyasu ist auf kurze Turniere zugeschnitten, und die technische Qualität im Kader — Mitoma, Kubo, Kamada — ist so hoch wie nie. Ein Sieg gegen die Niederlande am ersten Spieltag würde die gesamte Gruppe auf den Kopf stellen. Mein Modell gibt Japan 24 % Wahrscheinlichkeit auf den Gruppensieg — das ist bemerkenswert hoch für ein Team, das offiziell als Nummer 2 der Gruppe gilt.

Zweitens: Norwegen übersteht Gruppe I. Erling Haaland bei seiner ersten WM, dazu Martin Ødegaard als Spielmacher — das ist genug individuelle Klasse, um gegen Senegal und den Playoff-Gewinner zu bestehen. Das Problem ist Frankreich als Gruppenrivale, aber selbst ein zweiter Platz hinter Frankreich wäre ein historisches Ergebnis für Norwegen. Mein Modell sieht Norwegen mit 38 % in der K.o.-Runde.

Drittens: Ein Debütant erreicht das Achtelfinale. Curaçao, Haiti und Neuseeland haben auf dem Papier keine Chance — aber die WM-Geschichte zeigt, dass Debütanten in leichten Gruppen den einen grossen Sieg landen können. Haiti in Gruppe C gegen Schottland am dritten Spieltag, wenn Brasilien und Marokko bereits qualifiziert sind und Schottland unter Druck steht — das ist ein Szenario, in dem ein Überraschungsergebnis möglich wird.

Viertens: Ein Topfavorit scheitert in der Vorrunde. Bei der WM 2022 schied Deutschland zum zweiten Mal in Folge in der Gruppenphase aus, und das bei einer Gruppe mit Japan, Spanien und Costa Rica. 2026 hat Deutschland eine leichtere Gruppe, aber Brasilien in Gruppe C (mit Marokko und Schottland) oder Argentinien in Gruppe J (mit Österreich und Algerien) sind nicht immun gegen ein frühes Aus. Mein Modell berechnet die Wahrscheinlichkeit eines Vorrunden-Aus für jeden Topfavoriten: Brasilien 11 %, Argentinien 8 %, Deutschland 4 %. Kleine Zahlen — aber nicht null.

FAQ — WM 2026 Prognosen

Wie genau sind statistische Prognosemodelle bei der WM?

Bei den letzten drei Weltmeisterschaften hat mein Modell den Turniersieger jeweils in den Top 3 der Wahrscheinlichkeitsrangliste geführt. Die Genauigkeit auf Einzelspiel-Ebene liegt bei etwa 52 % für den korrekten Ausgang (Sieg/Remis/Niederlage) — besser als Zufall (33 %), aber weit entfernt von Sicherheit. Prognosen sind Wahrscheinlichkeiten, keine Garantien.

Werden die Prognosen nach Turnierbeginn aktualisiert?

Ja. Sobald die Gruppenphase beginnt, fliesst jedes Spielergebnis in das Modell ein, und die Wahrscheinlichkeiten werden nach jedem Spieltag neu berechnet. Live-Updates gibt es auf unserer Seite.

Berücksichtigt das Modell Verletzungen und Sperren?

Das Grundmodell arbeitet mit Kaderstärke auf Basis der Marktwerte und historischen Leistungsdaten. Kurzfristige Verletzungen und Sperren fliessen erst ein, wenn offizielle Kader bekanntgegeben werden — typischerweise zwei bis drei Wochen vor Turnierbeginn. Ein Ausfall wie der eines Schlüsselspielers kann die Titelwahrscheinlichkeit eines Teams um 1 bis 3 Prozentpunkte verschieben.